Kann der ESPRIT als Vorgängermodel des DMC12 gesehen werden?

Lotus konnte zwar seinerzeit zahllose Erfolge im Formelrennsport vorweisen, doch kommerziell sah es eher finster aus in der britischen Wagenschmiede. Colin Chapman begann mit seinem Unternehmen in den frühen 70ern mit der Entwicklung eines Mittelmotorsportwagens für die Straße in, für Lotus Verhältnisse, aussergewöhnlich komfortabler Variante. Einige echte Chapman Gene wie Motor und Fahrwerk fanden Verwendung, doch sollte, entgegen der Lotus typischen und im Rennsport üblichen Ultraleichtbauweise, der Wagen mit Lederausstattung, elektrischen Fensterhebern, Radio und allem was in den frühen 70er sonst noch als schick und modern galt, ein Fahrzeug zur Mobilisierung zahlungskräftiger Normalstraßenbenutzer werden.

Hintergrundinformationen zur Person Colin Chapman finden sich auf unserer Seite http://www.deloman.de/backgroundsde/colinchapman

Genau genommen verdanken wir die Form des Esprit jedoch dem Dickkopf von Designer Giorgetto Giugiaro, der trotz Chapmans klarer Ablehnung einer im Maßstab 1:4 gefertigten Studie seiner, wie er in einem späteren Interview so schön formulierte, "Inspiration für die scharfe Form" weiter folgte und auf dem Turiner Autosalon 1972 schlicht und ergreifend ein silber lackiertes Concept Car im Maßstab 1:1 präsentierte. Giugiaro glaubte an die Sprache dieser Form. Das gewagte Design mit der nur 18° geneigten Frontscheibe war an den Grenzen des damals technisch machbaren konstruiert und Chapman war schlicht fasziniert. Er gab die weitere Entwicklung in Auftrag und taufte das Projekt in Lotus Tradition mit einem "E" als Anfangsbuchstabe auf den Namen ESPRIT.

Der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, das Giugiaro seinen Entwurf "Kiwi" nannte, sich mit dem Namen jedoch bei Chapman nicht durchsetzen konnte. Ob Giuguaro mit dem Kiwi den flugunfähigen Vogel aus Neuseeland, die grüne Frucht oder auch die Bewohner des Inselstaates im Südpazifik meinte, ist uns nicht bekannt.

Die Urversion des ESPRIT, wurde von Lotus ca 800 mal (die Angaben schwanken zwischen 716 aus dem Buch "The Complete Story" von Jeremy Walton und 894 aus lotusespritworld.com ) in den Jahren von 1975 bis 1978 gebaut. Die unklaren Zahlen ergeben sich wohl aus der etwas schwierigen Abgrenzung der Modelle, da Chapman permanent auch innerhalb der Serie neue Ideen und Veränderungen einfließen lies. Etwa 580 der Fahrzeuge wurden 1977 auf dem US Amerikanischen Markt abgesetzt, was für Lotus ein absoluter Rekord war und wohl nicht zuletzt auf die Nebenrolle eines Esprit der ersten Baureihe in "Der Spion, der mich liebte" um den britischen Agenten James Bond zurück zu führen war.

Gerne werden die Esprit Baureihen schlicht von Serie 1 bis Serie 4 durchnummeriert und ab 1996 dann z.B. mit dem Zusatz V8 oder 350 Sport und ab 2002 dann wieder ohne Zusatz angeboten. Dem Ur-Esprit wurde seitens Lotus keine Zahl zugewiesen. Ab 1978 wird der Esprit erstmals mit Zahl und somit als S2 angeboten. Trotzdem wird jeder aufgeschlossene und weltoffene Lotus-Fan, -Freund und -Besitzer mit demTitel S1 etwas verbinden. 

Im Jahr 1976 hatte John Z. Delorean zwar eine Idee, ein grundsätzliches Konzept, ein Design, (ebenfalls vom ESPRIT Zeichner Giorgetto Giugiaro) Fördermittel aus England, ein Feld in der Nähe von Belfast und auch schon die ersten Bauarbeiten am Werk waren begonnen, jedoch gab es noch keine serienreife Konstruktion um seinen Wagen zu bauen. Porsche hat die Anfrage aufgrund der zu kurzen Vorlaufzeit abgelehnt und es wurde langsam eng. Da Lotus seiner Zeit finanziell etwas knapp war, kam die Anfrage Deloreans gerade zur rechten Zeit. Die Konstruktion des Esprit war abgeschlossen und der Wagen von Delorean sollte ein ähnliches Konzept verfolgen. So nahm Colin Chapman den Auftrag gerne an und bei Lotus konnte man die Rechnungen wieder bezahlen, denn Geld war seitens Delorean erst mal ausreichend vorhanden.

Auf Basis der Esprit Konstruktion haben Colin Chapman und sein Team nun einige elementare Bereiche des DMC12 entwickelt. Die Routine in der Kommunikation mit Giugiaro und das Wohlwollen Chapmans dessen Arbeit gegenüber war hier auch noch hilfreich um den zügigen Zeitplan zu halten. So kam es zu vielen Ähnlichkeiten und Parallelen zwischen ESPRIT und DMC12, aber auch zu grundsätzlichen Unterschieden. An dieser Stelle sei erwähnt, das in der Ausführung nicht eine Schraube und ein Bauteil im Bereich Fahrwerk / Rahmen / Karosse / Antrieb mit dem DMC12 identisch ist.

 

Lotus ESPRIT Urversion 1976-77

 

Delorean DMC12 1981-82

 

 

DMC12                                                    Esprit

 

technische Daten Lotus ESPRIT


Motor:

Typ Lotus 907, 1973ccm, 16 Ventile, zwei oben liegende Nockenwellen (DOHC)

Gemischaufbereitung:

an dem gezeigten Fahrzeug zwei Dell’Orto Vergaser (zum Teil wurden auch Stromberg Vergaser verbaut)

Leistung und Drehmoment:

160bhp bei 6200/min (Break Horse Power) dies entspricht etwa 120KW / 162PS

140lb ft bei 4900/min (Poundforce per Feet) dies entspricht etwa 190 Nm

Karosserie / Rahmen:

verstärkte Fiberglas / Glasfaser Karosse mit integrierter Sicherheitsfahrgastzelle auf einem Doppelgabelrahmen aus Stahl

Die Formen der beiden Halbschalen wurden vor einbringen des "Fiberglas" eingefärbt um die Wagenfarbe tief in die spätere Oberfläche eindringen zu lassen. Grundsätzlich waren die Oberflächen nach dem Ausformen fertig, doch machten Blasen und kleine Fehlstellen vereinzelt eine Nachlackierung im Werk erforderlich.

Getriebe

vollsyncronisiertes 5-Gang Schaltgetriebe, 4. Gang Übersetzung 1:1 , der 5. Gang ist als "Overdrive" ausgelegt

Kupplung:

216mm Einscheiben Trockenkupplung, hydraulisch betätigt

Bremsen:

hydraulisches 2-Kreis Bremssystem, Scheibenbremsen V+H, vorne 9.7", hinten 10.6" getriebeseitig verbaut

Lenkung:

Zahnstangenlenkgetriebe ohne Verstärkung

Federung / Dämpfung:

vorne:

Einzelradaufhängung, Querlenker unten, 3-Ecklenker oben, Stabilisatorstange führt durch Querlenker unten, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, systematischer Aufbau wie im Ford Escort, (eine Ähnlichkeit zur Opel Ascona Achse, wie mancher Orts zu lesen ist, kann nicht bestätigt werden)

hinten:

Einzelradaufhängung, Schräglenker, ein Querlenker, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Antriebswelle feste Länge

Räder / Reifen:

vorne: 195/70HR14  oder  205/60HR14 auf Wolfrace 6J x 14

hinten: 205/70HR14  oder  215/60HR14 auf Wolfrace 7J x 14

Gewicht:

leer 895kg

Dimensionen:

Länge: 4190mm  Breite: 1860mm  Höhe: 1110mm (lt. Typenblatt TÜV SÜD)

Fahrleistungen:

Höchstgeschwindigkeit: 124mph / 200km/h  (Angaben variieren zw. 200km/h und 222km/h)

Beschleunigung 0-100km/h: 8.6 sec

Verbrauch (nach Angabe Hersteller von 1976):

ca 9 l/100km   Inhalt Kraftstofftank ca 55l

Neupreis 1976

7883 GBP (Great Britain Pound)

dies entspach 1976 etwa 18940 DM (Deutsche Mark), was im Jahr 2012 inflationsbereinigt etwa einem Kaufpreis von 44000 DM / 22500 Euro und einer Kaufkraft von etwa 4000 Euro entspricht

 

Erläuterung der Fahrgestellnummer / Fahrzeugindentifizierungsnummer / Chassisnummer / Vehicle Identification Number

Beispiel: 76 06 100 G

76 06 
Jahr und Monat der Produktion

100
laufende Nummer


Angabe für welche Länder der Wagen produziert wurde

G = Groß Britanien und Europa
H = Nord Amerika
J = Rest der Welt


Die Motornummer findet sich rechts auf dem Zylinderblock über dem Startermotor

 


 

Die für den Bereich "Begegnungen" produzierte Bilddokumentation auf unserer Site soll die Verwandschaft zwischen dem Esprit der Serie 1 und dem DMC12 zeigen, die Abstammung verdeutlichen, aber auch die grundsätzlichen Unterschiede darlegen:

 

http://www.deloman.de/begegnungen/lotusesprit

 

 


 

Bei einer Begegnung der beiden ungleichen Brüder am Rande einer Oldtimer Rallye in der Schweiz entstanden noch mehr detaillierte Vergleichsbilder zwischen dem Delorean DMC12 / und einem Lotus ESPRIT S2:

 

http://www.deloman.de/begegnungen/lotusesprits2

 

 


 

 

...

 

 

 

Unterschiede innerhalb der Serie S1

>Aussenspiegel

>Motor

>Gemischaufbereitung

>Felgen

 

to be continued... Fortsetzung folgt...