von Peter Kirchgeßner

 

Oktober – Für einige der letzte Monat im Jahr, in dem der Delorean auf die Straße darf. Aber auch die Zeit, in der das traditionsgemäße Abschlußgegrille des Deloreanclubs stattfindet. 2010 hat Wolfgang Hank wieder nach Augsburg und Ecknach eingeladen, um die Saison mit Gleichgesinnten würdig abzuschließen. Treffpunkt für Deloreanfahrer und -interessierte war am Samstag, den 02. Oktober, die deloman-Werkstatt in Augsburg.  Und es sind viele gekommen. Ob aus Norddeutschland oder Österreich. Angereist per Flugzeug, DMC-12 oder anderen Fahrzeugen. Das letzte Abschlußgegrille bei Wolfgang im Jahre 2006 hatte sich wohl herumgesprochen.

Die Anreise erfolgte am Vormittag. Der Hof der Werkstatt füllte sich zügig mit Deloreans. Man traf wieder Altbekannte oder auch „Neue“, die man bisher nur über die Foren kannte. Die Werkstatt bot einen guten Hintergrund um direkt am und über das Objekt zu fachsimpeln. Da stand z.B. der Turbo-Delo, der so eigentlich gar nicht geplant war. Aber was soll man machen, wenn man einen Delo gekauft hat und beim Aufmachen der Motorhaube feststellt, dass da ein Turbo verbaut ist ? Das Fahrzeug wird jetzt hergerichtet und voraussichtlich beim Clubtreffen 2011 in Köln dabei sein. Auch aus einem weiteren Grund genau das richtige für Köln. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es gab noch mehr Fahrzeuge auf dem Hof der Werkstatt, die unzweifelhaft die Handschrift von Wolfgang trugen. Da war der alte VW-Bus, bei dem diverse Bedienelemente aus Gabelschlüsseln oder Zündkerzen bestanden. Oder der Hummer, in Wolfgangs Lieblingsfarbe rot, mit dem Schriftzug „3.2 Tonnen Blödsinn auf 4 Rädern“.

 

 

Aber die Werkstatt war nur Ausgangspunkt für den nächsten Programmpunkt. Zeitreise in die Vergangenheit. Allerdings nicht mit Fluxkompensator, sondern mit dem Reisebus. Und wer im Bus keinen Platz mehr fand, wurde im VW-Bus mitgenommen. Es ging in die Fuggerei in der Altstadt von Augsburg. Während einer Führung erfuhren wir mehr über diese älteste Sozialsiedlung der Welt.

 

 

Bereits im 16. Jahrhundert durch Jakob Fugger den Reichen erbaut, bietet sie bis heute Wohnungen für bedürftige Augsburger Bürger. Die Jahresmiete beträgt 0,88 Euro – und täglich drei Gebete für den Stifter und dessen Familie. Die 67 Häuser der Siedlung sind ähnlich aufgebaut. Zwei Geschosse, die jeweils eine abgeschlossene Wohnung mit etwa 50m² Wohnfläche bilden. Die historische Einrichtung einer Wohnung konnten wir im Museum der Fuggerei sehen. Ein weiteres Gebäude zeigte eine Musterwohnung mit heutiger Einrichtung: Bad, Schlafzimmer, Küche und Stube. Unsere Führerin berichtete, dass zur Zeit die meisten Wohnungen von älteren, alleinstehenden Damen bewohnt sind.

 

 

Nach der Führung ging es mit Reise- und VW-Bus zurück zur Werkstatt, wo wir in unsere eigenen Fahrzeuge umstiegen. Mancher Delorean-Interessierte konnte hier eine Mitfahrgelegenheit in einem Delorean nutzen. Im Konvoi fuhren wir über eine landschaftlich schöne Strecke nach Ecknach zu delomans Garten.

 

 

Die Delos durften in den Garten fahren, die anderen Autos mussten draußen bleiben. Die Aufbauten versprachen einiges. Große Kuchentheke, große Getränkebar, große Bühne, großes Bierzelt. Schließlich stand die gesamte Veranstaltung unter dem Motto „Oktoberfest“. Im Garten gab es aber noch mehr zu entdecken. Ein Galeriecontainer mit tollen Fotos von Schatzi(nger). Natürlich zum Thema Delorean. Hinter einer Baumgruppe aufgestapelt  mehrere GFK-Bodies und ein alter Delo-Rahmen. Ein alter „Herby“-Käfer und VW-Bus waren auch vertreten. Zunächst ging es aber erst mal zu Kaffee und Kuchen. Die große Auswahl am Kuchenbuffet hat jedem etwas geboten.

 

 

 

Gestärkt konnten wir zum nächsten Programmpunkt übergehen: Die „boarische Garten Rallye“. Jeweils zwei Personen hatten als Team zusammen fünf Wertungsprüfungen zu bewältigen: Traktor fahren, Maßkrug stemmen, Nageln, Zündkerze wechseln, Bayerischer Langenscheidt. Und alles in Teamarbeit. Die erste Wertungsprüfung: Traktor fahren. Der Traktor entpuppte sich als fahrbarer Rasenmäher, natürlich in rot. Die Aufgabe: einmal im Kreis um eine Palette fahren und vor einem Bierkasten anhalten. Und das in genau 20 Sekunden, ohne zwischendurch anzuhalten oder aufgestellte Pylone zu berühren. Der Fahrer bekam noch zwei Utensilien: Ein Trachtenhut (damit es zünftig wird) und eine blickdichte Brille (damit es nicht so einfach wird). Der Teampartner hatte somit die Aufgabe,  Anweisungen zu geben wie „rechts“, „links“, „geradeaus“ und „bremsen“ damit der Traktor samt blindem Fahrer das Ziel in 20 Sekunden erreicht. Und das waren teilweise sehr spaßige 20 Sekunden. Die nahe gelegene Gartenhecke wurde gelegentlich in das Spiel mit einbezogen.

 

 

Bei der zweiten Wertungsprüfung durften die Teampartner Maßkrüge stemmen. Die Herren einen vollen, die Damen einen leeren. Je länger gestemmt um so besser. Einige Damen zeigten hier eine sehr gute Ausdauer und hielten die Tortur über 30 Minuten aus.

 

 

Weiter ging es zur nächsten Wertungsprüfung: Nageln. Jeder Teampartner musste einen Nagel mit drei Schlägen in einen Baumstumpf einschlagen. Was noch rausschaute, waren dann die Minuspunkte. Die nächste Wertungsprüfung war wieder etwas technisches. Möglichst schnell eine Zündkerze an einem BMW wechseln. Inklusive  Werkzeug zusammenbauen und zerlegen.

 

 

 

Zum Glück war die Zündkerze nicht ganz so schwierig erreichbar wie manche am Delorean. Die letzte Wertungsprüfung war wieder etwas süddeutsches: Bayerischer Langenscheidt. Hier mussten Ausdrücke wie „Gscherter Hammel“ oder „Oachkatzlschwoaf“ ins deutsche übersetzt werden.

 

 

Wer eine kleine Pause zwischen den Prüfungen einlegen wollte, konnte das Kuchenbuffet weiter räubern, zuschauen wie der Traktor in die Gartenhecke gefahren wurde oder den Bierkrugstemmern Mut machen zum Durchhalten. Oder auch gemütlich im Bierzelt sitzend bei der aufmarschierenden Blasmusik der „Friedberger Lechrainmusikanten“

 

 

zuschauen und zuhören. So wurde es dann echt boarisch. Und da das Thema ja „Oktoberfest“ war, durfte das „Ozapfd is“ nicht fehlen. Wolfgang übernahm den Bierfassanstich und verteilte die gefüllten Krüge. Damit war das Oktoberfest perfekt. Bierzelt, Blasmusik, gute Laune. Passend dazu hatten auch einige Deloreanerinnen sich auf Tracht umgestellt. Nach dem Ausmarsch der Blasmusik übernahm die  Ska/Pop/Rock-Gruppe „Neuland“ aus München die musikalische Gestaltung. Eine mobile Hendlbraterei sorgte für Nachschub beim Essen.

 

 

Mit Brezn und Kartoffelsalat ließ man sich die halben Hähnchen bei Rockmusik auf der Zunge zergehen, während auf einer Leinwand hinter der Bühne Bilder von Veranstaltungen mit Delorean-Beteiligung  abliefen. Gegen 21 Uhr folgte ein weiterer musikalischer und optischer Höhepunkt. Mitra aus Persien heizte mit Ihren Bauchtanznummern nicht nur die Stimmung an. Zwei Zuschauerinnen wurden auch in die Performance mit einbezogen. Dem Applaus nach hat es den Zuschauern sehr gut gefallen. Anschließend übernahm Wolfgang das Wort und stellte der Delorean-Gemeinde eines seiner neuen Projekte vor. Als Idee im Frühjahr 2010 geboren, auf der Fahrt „Oldenburger Allerlei“ konkretisiert, wird zu Weihnachten 2015 eine Weltumrundung mit drei Deloreans starten. Mit von der Partie werden noch Schatzi, André und Werner sein. Ein Begleitfahrzeug wird vom Autohaus Hilgen  gesponsert werden. Auch ein Ergebnis der Fahrt nach Oldenburg. Bei den Gästen des Oktoberfests, inzwischen ca. 120 Personen, ging die anfängliche Ungläubigkeit  langsam in Faszination über. Dies wird ein weiteres von Wolfgangs Projekten, die nicht einfach nur des Spaßes wegen umgesetzt werden (siehe z.B. automatischer Tankklappenöffner), sondern dem Ansehen des DMC-12 in der Öffentlichkeit dienen. Und das sicherlich auch außerhalb von Deutschland Beachtung finden wird. Da einige Gäste schon nachgefragt hatten, wie sie sich am Oktoberfest beteiligen könnten, stellte Wolfgang einen Globus auf, in den jeder der wollte einen Beitrag zur Unterstützung der Worldtour einbringen konnte.

 

 

Nach dieser ernsten Angelegenheit ging es aufgelockert weiter. Die Gruppe „Alpensperrmüll“ brachte Musikinstrumente der besonderen Art mit: aus Sperrmüll gebaut. Ob Klaritube (leere Zahnpastatuben) oder Schubladtarre (Gitarre aus einer Schublade). Das bayerische Männerduo konnte damit richtig Musik machen. Und selbstverständlich mit viel Witz vorgetragen. Nachdem Luftpumpe, Staubsauger, Abflussrohr und die elektrische Heugabel ihre Musikalität unter Beweis gestellt hatten, durfte sich auch wieder eine Zuschauerin am Musizieren mit Plastikflasche und Gummihandschuh beteiligen. Alle Seiten hatte ihre Freude daran. Ohne Zugabe wurde „Alpensperrmüll“ nicht von der Bühne gelassen.

 

 

Als nächster Programmpunkt stand die Siegerehrung zu den Wertungsprüfungen an. Beim  bayerischen Langenscheidt musste das Los entscheiden. Vroni zog als Gewinner das Team „Dynamisches Duo“ mit Rainer Pohl und Michael Riedelsheimer. Die weiteren Sieger der einzelnen Wertungsprüfungen:

 

 

 

 

 

 

 

Traktor fahren:             Team "RuppTrupp" mit Peggy Rupp und Michel.

Maßkrug stemmen:      Team "Villa Kunterbunt": Florian Einsiedler und Sandra

Nageln:                         Team "Nord-Süd" mit Thorsten Nehring und Rainer Fendl
Kerzenwechsel:             Team "Ostalb Spezial" mit Monika Keller und Martin Badenhorst

Als Preis gab es je einen Pokal und einen Trachtenhut. In der Gesamtwertung waren diese drei Teams an der Spitze:

 

1. Platz:            Team "Rowdys" mit Ilka Schulz und Kai Gatzke

2. Platz:            Team "Nord Süd" mit Thorsten Nehring und Rainer Fendl

3. Platz:            Team "Schraubergurken" mit Johannes Becker und Andreas Kohlsdorf

Die Gesamtsieger erhielten einen Pokal und eine Flasche "Ferrari Spumante".

 

 

 

Nach dem Gruppenbild der Sieger übernahm „Neuland“ wieder die Bühne. Und im Bierzelt gingen die Benzingespräche weiter. Bis um 23 Uhr das große Feuerwerk startete. Zum Takt von Carmina Burana brannten die Deloman-Techniker das minutiös geplante Feuerwerk ab. Raketen, Feuerräder und Vulkane erloschen mit den letzten Takten. Und Neuland übernahm noch einmal die Bühne. Zur fortgeschrittenen Stunde machten sich die Gäste langsam auf den Heimweg. Sicher zu sein, ein wunderbares Wochenende mit Gleichgesinnten verbracht zu haben. Mit vielen Attraktionen, sehr gut geplant und aufwendig realisiert. Einige harrten noch am Feuer aus, da es doch langsam kalt wurde. Und einige nutzten die Möglichkeit im Garten oder im Haus zu übernachten. Der Sonntagmorgen fing dann für eine nun etwas kleinere Gruppe mit einem Weißwurstfrühstück an. Gestärkt konnte man dann gemeinsam zum Abbau der Profi-Bühne übergehen, die Schatzis Arbeitgeber dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat. Der Abbau war zügig erledigt, da viele Hände zupackten. Dann noch die Biertische in der Garage verstaut. Die freigewordene „Rasen“-Fläche zeigte dass sie doch etwas Erholung braucht, so dass es in nächster Zeit kein Abschlussgegrille in Wolfgangs Garten geben wird.

 

 

Nach getaner Arbeit überreichte Sabrina an Wolfgang und Schatzi jeweils ein Präsent in Form einer Schwarzwälder Brotzeit. Dann blieb nur noch das Verabschieden übrig mit dem das Abschlussgegrille 2010 zu Ende ging.

 

 

Für dieses phantastische Wochenende geht ein großes Dankeschön an Wolfgang für seine sehr gute Organisation, Auswahl an Aktionen und eingeladene Künstlerinnen und Künstler. An Schatzi für seinen Einsatz rund um Bühne, Elektrik und Ausleuchtung sowie Foto-Aktion im Galeriecontainer. An die Helfer die die Wertungsprüfungen abnahmen, die Gäste empfingen und für das leibliche Wohl sorgten. Dank auch an die vielen Ungenannten die zum Kuchenbüffet beigetragen haben oder anders zum Gelingen des Wochenendes. Es zeigt dass der Delorean-Club und -Interessierte eine aktive und begeisterungsfähige Gemeinschaft ist. Immer nach dem Motto: „Live the Dream“

 

Peter Kirchgeßner

 

 

 

Links:

Fuggerei: www.fugger.de

Neuland: www.entdeckeneuland.de

Mitra: www.mitra-bauchtanz.de

Worldtour: www.deloreanworldtour.com