Sonntag den 10.05.



Zum frühen Sonntagmorgen hier  erst ein Satz zu den Begrifflichkeiten, denn jeder spricht vom Fjord und die Sache mit dem Wasser ist hier auch allerorts zu sehen, doch  auch wir mussten erst herausfinden, was der so viel genutzte Name Fjord denn eigentlich verspricht: Ein Fjord ist ein weit ins Festland hineinreichender und im Verlaufe der Eiszeit durch einen in Richtung Meer wandernden Gletscher entstandener Meeresarm. Fjorde gibt es somit dort wo Gebirge in Küstennähe einmal stark vereist waren oder es auch noch sind.


Nach einem schönen gemeinsamen Frühstück mit der bereits vom Vortag in Dänemark bekannten und hier in Norwegen sehr ähnlichen Auswahl an feinem Backwerk und der Erkenntnis, dass der Norweger sein Frühstück auch gerne mit „ELDORADO Kaviar“ aus der 12 Gramm Tube verfeinert, machten wir uns auf den Weg in Richtung nächstes Tagesziel.  Im Gegensatz zu dem kaltfeuchten und schon fast unangenehmen Wetter des letzten Tages  schenkte uns dieser Morgen strahlend blauen Himmel und die mit voller Kraft leuchtende Sonne brachte den Fjord zum Glitzern. Ein herrlicher Einstieg in einen neuen Tag!


Heute stand die erste Fährfahrt Innerlandes auf dem Plan und unser Quartett hat auch hier eine gewisse Wahrnehmung und zahllose Daumenhochbekundungen  erfahren. Auf der Fahrt sind uns immer wieder Kleinbusse unterschiedlichster Bauart begegnet, alle rot lackiert und einige davon aus älterer US amerikanischer Produktion. An Bord waren fast ausnahmslos mit roten und ein paar davon mit blauen Latzhosen bekleidete junge Leute die alle in bester Feierlaune unterwegs waren. Am Fährhafen klärte sich dann der Grund für diese Bewegung. Um den 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, feiern die Oberschulabgänger „Russ“ oder auch „Russfeier“ was neben den zum Teil aufwendig für diesen Anlass umgebauten roten Bussen und den Latzhosen auch Mützen, Stöcke und sogenannte „Russkarten“ hervor bringt. Diese Karten zeigen neben einem nicht immer jugendfreien Konterfei auch noch launige Sprüche und Kontaktinfos wie Handynummer oder mailadresse und werden untereinander getauscht und verteilt.  Einer der Schulabgänger nutzte einen unserer  freien Beifahrerplätze um unter dem Gejohle seiner Kumpel den Weg vom Hafeneingang zur Fähre im Delorean zu machen. Der Lenker eines mit Beschriftung „Bierwagen“ und stilisiertem bayrischen Wappen verzierten roten Ford Transit sprach uns in Deutsch an und erklärte das mit der Herkunft seines Vaters. Rückschlüsse auf die genaue Heimat des Vaters anhand des bayrischen Wappens zu ziehen liefen fehl, der Papa kommt aus Hamburg. Viele Fotos, body pokes, handshakes und Russkarten später fuhr die Fähre an zahllosen Lachsfarmen vorbei über den See. Oder war es ein Fjord? Wer weiß das schon.


Die Weiterfahrt führte durch Landschaften, deren Formationen doch sehr an Bayern, das Allgäu oder auch Tirol erinnerten, nur die roh gehauenen Tunnel waren ungewohnt. Kilometerweite Abfahrten und ungeahnte Tiefen und nach einer meist nur kurzen Geraden dann das Gleiche wieder nach oben in Richtung Sonne. Diese Tunnel wurden unter kleine bis mittlere Fjorde gegraben um den Verkehrsfluss nicht bei jedem Gewässer durch eine Fährverbindung zu unterbrechen. Zu einem besonderen „Tunnelphänomen“ lohnt es auch noch ein paar Worte zu verlieren. Bereits kurz nach Einfahrt in das jeweilige Loch in Berg oder Boden dauerte es nur wenige Augenblicke, bis aus den CB Funk Lautsprechern der drei Welt Tour Delos ein lang gezogenes und flehendes „Büddddääääää“ aus Dagmars Richtung kam. Dieses „Bitte“ brachte die Delolenker dazu das Tempo erst zu verringern um dann nebst Vollgas und Kickdown die drei Sechszylinder unter dem verzückten Gejohle Dagmars zum Klingen zu bringen. Die Reflektion über die Tunnelwände formte den Motorklang zu einem durch Mark und Bein gehendes donnerndes Grollen und Jan hatte wohl seine liebe Not den G angesichts seiner in unseren  Rückspiegeln klar erkennbar wild gestikulierend jubelnden Copilotin auf Spur zu halten.


Am späten Nachmittag erreichten wir Bergen, die zweitgrößte Stadt Norwegens. Angesichts der uns prognostizierten durchschnittlich etwa 250 Regentage im Jahr, was Bergen zur Stadt mit der höchsten Regenwahrscheinlichkeit in Europa machte, erwarteten wir hier Schirm und unsere Regenjacken sinnvoll einsetzen zu können. Aber nix wars. Nicht wirklich enttäuscht, doch klar überrascht erlebten wir einen sonnigen Spätnachmittag und genossen den Spaziergang an der Hafenmole entlang zu den bunten Häusern, die wohl fast jede Bergen Postkarte zieren, um in einem der Häuser ein feines landestypisches  Abendmahl einzunehmen. Heute war kollektives Lachsessen angesagt mit einer landestypischen Fischsuppe „Fiskesuppe“ zur Vorspeise.  Ein leckerer Abschluss für einen ereignisreichen Tag. Später im Aufzug des Hotels sprach uns ein Geschäftsmann in den späten 60ern sichtlich erregt und in einem gebrochenen Mix aus etwas Englisch und Deutsch, was er mit einem Handstreich als „Kneipendeutsch“ abtat,  auf unsere Autos an. Er berichtete, er habe in seinem ganzen langen Leben noch nie einen Delorean in echt gesehen und jetzt gleich drei auf einmal! Mit einem fröhlichen “you made me the day of my life“ verabschiedete  sich der freundliche Norweger aus der Aufzugskabine und für uns ging der Abend in der Hotelbar gemütlich und launig zu Ende. Wir nutzten das Zusammensein noch um erste Überlegungen und Ideen zu einer Abschiedsfete vor Tourstart  zu sammeln.