Montag den 11.05.


Bergen wurde heute seinem Ruf als Regenmetropole uneingeschränkt gerecht und unser Fußmarsch zur Parkgarage wurde von kaltem Regen aus allen Richtungen begleitet. Nun aber zügig rein in die Autos und raus aus Bergen.  Auffällig im morgendlichen Berufsverkehr war einmal mehr die überdurchschnittlich hohe Anzahl an Elektroautos auf den Straßen. Die leisen Wagen unterschiedlichster Hersteller sind per großem „E“ am Anfang des Kennzeichens erkennbar und genießen neben umfangreichen Steuervergünstigungen auch kostenfreies Parken in öffentlichen Parkgaragen, freie Fahrt über Busspuren und teils vergünstigte Fährgebühren. All diese Maßnahmen haben u.a. dazu geführt, dass 2014 in Norwegen mehr Tesla wie VW Golf neu zum Straßenverkehr zugelassen wurden.


Raus aus der Stadt führen uns die bergigen Landschaftsformen, die wohl auch zur Namensfindung der Stadt beigetragen haben, weiter durch endlos wirkende Tunnel und eindrucksvolle Serpentinen, in kurzer Zeit auf etwa 1000 Meter Höhe hinauf. Wir waren hier irgendwo im norwegischen Nirgendwo und  nach jedem Tunnel tat sich eine neue Wetter- und Landschaftskulisse auf. Wasserfälle, Felsenschluchten, vereiste Seen und Schneefelder, die bis zu einigen  Metern über die frei  geräumten Fahrbahnen hinaus reichten, säumten unseren Weg, der in geringeren Höhen sehr bald wieder Sonne brachte. Hier im vorher schon beschriebenen norwegischen Nirgendwo konnten wir ein außergewöhnliches Naturschauspiel beobachten. Ein Regenbogen überspannte ein Tal und er war vom Anfang bis zum Ende zu sehen. Der wundervoll schillernde Bogen über dem saftigen Grün der sonnendurchfluteten Landschaft begleitete uns einige Kilometer und ab und an schien es so, als wäre es klar, was am Ende des Regenbogens zu finden ist. Einen solchen Moment konnten wir im Bild festhalten, was für uns zu „dem“ Bild der Reise wurde und auch zu einem sehr guten Vorzeichen für alles was uns auf unseren Touren noch erwarten wird.


Tagesziel heute: Dombås. Der etwa 1200 Seelen zählende Ort im Oppland Norwegens ist hier als Verkehrsknotenpunkt zweier Autobahnen bekannt und das Leben in Dombås dreht sich erkennbar um den Transport, die Reise und die Leute die damit zu tun haben. Ein wenig international wurde es schon bei der Auswahl unseres Abendlokals. Wir entschieden uns heute für das „NAPOLI Restaurant und Pizzeria“, einem augenscheinlich italienischen Lokal. Wie sich im Verlauf des Abends herausstellte, wurde das NAPOLI von einem deutsch sprechenden türkischen Kurden mit österreichischer Staatsbürgerschaft geführt. Multi-Kulti auf Norwegisch! Zu fortgeschrittener Stunde servierte unser Kurde mit Austria Akzent an einem der leeren vorderen Tische zwei Kaffee und wenige Minuten später kam ein Mann in das Lokal, setzte sich wortlos an diesen Tische und trank den Kaffee. Der Wirt gesellte sich zu ihm, trank den zweiten Kaffee und die Zwei verloren nur wenige Worte. Es war ein allabendliches Ritual dass die beiden Männer hier zelebrierten. Der Wirt und seine kulturellen Verzweigungen waren uns ja schon bekannt, doch was steckt nun hinter dem mit seinem langen grauen Bart und dunklem Kapuzenmantel etwas wild wirkenden Kaffeegast? Auf den ersten Blick wirkte sein Äußeres, als würde er draußen leben, fern der Zivilisation. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn der Wirt wandte sich zu uns und fragte, ob der Herr denn einen unserer Wagen ansehen dürfte. Wolfgang ging gleich auf den etwas unheimlich wirkenden Gast zu, streckte ihm die Hand zum Gruß entgegen und stellte sich vor. „Bart“ sagte der Mann, ich bin Bart! Angesichts seines Aussehens eine naheliegende Namenswahl und wir waren erst einmal verwundert ob der deutschen Ansprache. Bart und Wolfgang also raus zu den Autos. Bart war ein sehr angenehmer kleiner Mann mit wachen und interessierten Augen, sprach nach Aussage des Wirt 5 Sprachen fließend und wir unterhielten uns vorzüglich über den Delorean. Er hatte ein außergewöhnliches Grundwissen zu Irland, zu Bayern, zu Autos, einfach zu allem was uns thematisch zu unserer Tour und den Fahrzeugen passte. Auch wenn er in aller Bescheidenheit bemerkte, dass er noch nie einen DMC12 live gesehen habe, doch konnte er erstaunlich detaillierte Erinnerungen an Medienberichte aus den frühen  80ern zu dem Thema und auch zu technischen Details wiedergeben. 


Diese Begegnung gehörte für Wolfgang mit zu den bislang menschlich beeindruckendsten im Rahmen unserer „world wide encounters“.


Zurück an unserer Unterkunft, dem Dombås Motell, wo ein Schild „LEDIG (Vacant)“ wohl nicht auf den aktuellen Beziehungsstatus des Herbergsvaters hinweisen sollte, ging der Tag in dem Holzgebäude, dessen Appartements funktional und einfach doch durchaus geräumig im Ikeas Style eingerichtet waren, entspannt zu ende. Es war einmal mehr ein besonderer Tag mit besonderen Begegnungen mit besonderen Menschen.