“Krawallspüle” war der erste Projekt-Delorean der im Jahre 2001 von einem Autolackierer aus Molschleben bei Gotha gekauft wurde. VIN 01178 mit Automatik und schwarzer Ausstattung war nach dem in einer Molschlebener Werkstatt missglückter Versuch, einen Renault ALPINE Turbo-Motor einzubauen in einem eher traurigen Zustand. Die Antriebseinheit lag ein paar Meter hinter dem Auto, die Trennwand zwischen Motor- und Innenraum war ausgesägt, sämtliche Leitungen der Elektrik, der Unterdruckversorgung und vom Kraftstoffsystem waren abgeschnitten, bzw. herausgerissen und der Gesamteindruck konnte als sehr mäßig bezeichnet werden. Nachdem man sich handelseinig war, wurde das Fahrzeug und die Reste der ALPINE nach Augsburg verbracht.

 

 

Trotz starker Zweifel der Kollegen und diverser “Unmöglichkeitserklärungen” konnte der Delo 01178 am 5. Januar 2002 die ersten Meter mit eigenem Antrieb zurücklegen. 


Der Anfang war gemacht......


 

Zu Beginn galt es, die gesamte Antriebstechnik in allen Bereichen voll funktionsfähig und betriebssicher zu machen. Von Leerlauf- über Lambdaregelung, Einspritzanlage, Getriebesteuerung, Antriebswellen, Kraftstoffförderung bis hin zur Bremsanlage, Bereifung und Fahrwerk wurde argwöhnisch jede Baugruppe und jedes Teil geprüft, überarbeitet und ggf. ersetzt. Bis der Wagen voll zulassungsfähig und alltagstauglich fahrbar war vergingen noch weitere 6 Monate.
01178 hat sich somit als unser Versuchsträger angeboten. Alle Teile und Werkstattleistungen die wir in unserem onlineshop deloman.de und in unserer Werkstatt anbieten sind in und an VIN 01178 getestet worden.


Darüber hinaus wurden im Laufe der Zeit Speziallösungen realisiert wie eine erhöhte Mittelkonsole für einen zusätzlichen DIN-Einschub, eine im Heck verborgene und mit dem gesamten Kennzeichen ausklappbare Rückfahrkamera, eine abgewandelte Getriebeölkühlung mit einem “echten” Ölkühler (im Radhaus vorne rechts mit eigenem über Temperaturschalter gesteuertem Kühlerlüfter), und so weiter und so fort.....

 

 


 

Armaturenbrett
Das Armaturenbrett wurde für die Verwendung der erhöhten Mittelkonsole umgestaltet und neu überzogen. Die sichtbaren Übergänge wurden nahtfrei und die Lochungen über den Lautsprechern in Form und Ausführung absolut originalgetreu gestaltet.



 

Automatikgetriebeölkühler
Der im Original verbaute Doppelrohr-Ölkühler, dessen Kühlwirkung auf den Temperaturtransfer vom Getriebeöl auf das vom Motorkühler zurückfliesende Kühlmittel (Wasser + Frostschutzmittel) basiert wurde durch ein Kühlmittelrohr ersetzt, welches einen freien Durchfluss des Kühlmittels erlaubt. 
Die Schlauchleitungen an Getriebeölvor- und -rücklauf wurden neu angefertigt und mit einem “echten” Getriebeölkühler, der im Radhaus vorne rechts platziert wurde, verbunden. Dieser verfügt darüber hinaus noch über einen durch Temperaturschalter gesteuerten Kühlerlüfter.



Basisträger für Fahrrad, Jetboards oder sonstige Lasten

Die Halter für die von uns auf die  Deloreanbedürfnisse angepassten Basisträger aus Leichtmetall wurden aus Edelstahl gefertigt und formschlüssig unter Verwendung von Einziehmuttern u. Edelstahlschrauben an den oberen Innenkanten der beiden hinteren Seitenteile verschraubt.

Die Krawallspüle in der Werkstatt

Digitaltacho
Die originale Borduhr wurde durch einen Digitaltacho mit mehreren Funktionen wie Geschwindigkeitsanzeige, Gesamtwegstreckenzähler, Tageskilometerzähler, Top-Speed-Speicher und natürlich der Standard Borduhrfunktion ersetzt. Der Signalgeber für den Tacho wurde dabei am Getriebe angebracht.

 

Head Up Display
Da der Tacho durch das Lenkrad zum Teil verdeckt ist wird der Fahrer nun über ein Head Up Display über die aktuelle Fahrgeschwindigkeit informiert.


Getriebeumbau Automatik auf Schaltgetriebe
Nach mehreren Kundenanfragen zur Machbarkeit haben wir diesen umfangreichen Umbau durchgeführt. Neben den rein mechanischen Arbeiten wie Getriebe- und Pedalerieumbau gehörte die Anpassung des Rahmens für die Schalthebelaufnahme zu den Herausforderungen. Die Frage nach der Machbarkeit konnte somit aus technischer Sicht mit einem eindeutigen JA beantwortet werden.


Filtertrockner Klimaanlage 1. Generation

Da der Filtertrockner für die Klimaanlagen der 1. Generation nicht mehr verfügbar  ist, wir aber nicht bereit waren die Schlauchleitung deshalb zu ersetzen, haben wir über einen US-Amerikanischen Filtertrocknerhersteller eine Lösung gefunden, bei der wir mit einem in unserem Hause angepassten Anschlußrohr die Anlage ohne Tausch der Schlauchleitung wieder sicher betreiben können. Grundsätzlich ist natürlich zu bemerken, daß die Schlauchleitungen nur eine begrenzte Lebenserwartung haben und bei deren Austausch würden wir selbstverständlich auf die spätere Version zurückgreifen.

Getriebeumbau



Himmelverkleidungen

Die Verkleidungen am Innen- und Türhimmel haben wir anstelle von Stoff mit Kunstleder bezogen. In den Türen sorgt eine zusätzliche mit Leder bezogene Platte dafür, daß einem der Himmel nie mehr auf den Kopf fällt. Diese Methode der nahtfreien Himmelgestaltung wurde so auch zum Markenzeichen der von uns überarbeiteten Deloreans. Hier sei noch erwähnt, dass sich in unserem Archiv ein kompletter Original Prototypen Dachhimmelsatz befindet und dieser wurde ebenfalls in Kunstleder ausgeführt, jedoch mit zahllosen Nähten, was eine Serienferigung wohl unwirtschaftlich machte.

Himmelverkleidung



Kraftstoffkondensator

Während einer Serpentinenfahrt im Hochsommer wurde 01178 aufgrund akutem Leistungsverlust und Absterben der Maschine zu einer Pause gezwungen. Nach dem Öffnen des Tankdeckels war aus dem Tank das Geräusch von “kochendem” Kraftstoff zu vernehmen. Nach einer ½-stündigen Abkühlphase lief die Maschine wieder einwandfrei und gab wieder volle Leistung ab. Ein weiterer Fahrversuch bei großer Hitze hat das gleiche Symptom hervorgebracht. Als Lösung dieses thermischen Problems wurde ein Kraftstoffkühler in die Rücklaufleitung eingebaut. Durch die Abkühlung des Kraftstoffs kondensiert dieser und kommt kühl und zu 100 % flüssig in den Tank zurück. Somit kann die Kraftstoffförder- und Einspritzanlage problemlos arbeiten.

Kraftstoffkondensator



Kühler

Um das in der Serienvariante etwas knapp bemessene Kühlsystem für heissere Regionen und besondere Einsatzbedingungen ausreichend zu gestalten wurde ein Kühlerbauer mit der Aufgabe betraut, einen möglichst großen und somit im Vergleich zur Serie etwa doppelt effizienten Kühler zu bauen. Zur Kühlluftabfuhr wurde die originale Kühler-/Lüfterzunge mit stärkeren Lüftermotoren verbaut.

Kühler



M+S / Winterreifen

Da wir mit 01178 teilweise auch im Winter unterwegs sind, haben wir in Zusammenarbeit mit dem TÜV SÜD für die Hinterachse eine Freigabe für eine weitere Reifengröße erwirkt und konnten somit ein moderneres und bzw. gleiches Profil für die Reifen der beiden Achsen ermöglichen.

Winterreifen



Mittelkonsole

Durch den Anspruch eines zusätzlichen DIN-Einschubschachts für den Bildschirm  der Rückfahrkamera (und Vroni´s DVD-Player) gerecht zu werden, wurde die durch den Vorbesitzer ohnehin zersägt Mittelkonsole im Frontbereich durch einen Metallrahmen nach oben erweitert. Das optische Finish wurde durch einen mit Leder überzogenen abnehmbaren Aufsatz erreicht.

Delos im Schnee



Motorhaubenhalter

Da in der Anfangsphase die Motorabdeckung permanent geöffnet und geschlossen wurde, waren wir dem klapprigen Hebelwerk am Deckelhalter sehr bald überdrüssig. Hier ist nach Querverstärkung des Deckels nun eine Gasdruckfeder im Einsatz, die das Öffnen und Schließen sehr komfortabel gestaltet.

Motorhaubenhalter



Rückfahrkamera

Bei Bedarf kann das hintere Kennzeichen auf Knopfdruck um etwa 45° nach oben geklappt werden und somit die darunter verborgenen Rückfahrkamera zum Vorschein. Diese ist somit vor Schmutz geschützt und stört im abgeklappten Zustand in keiner Weise die originale Optik des Heckbereichs. Auf eine automatische Steuerung wurde nach einigen Praxistest wieder verzichtet, da die Kamera definitiv nicht bei jedem Einlegen des Rückwärtsgangs zum Einsatz kommt.

Rueckfuehrkamera1  Rueckfuehrkamera2

 

Schalldämpfer
Nachdem der originale Endschalldämpfer des Delorean mehr das Klangbild eines Kleinwagens wie den Sound eines Sportwagens vermittelt, haben wir in Zusammenarbeit mit einer befreundeten edelstahlverarbeitenden Schlosserei einen Versuchsschalldämpfer mit variabler Anordnung von Prallblechen, Querschnitten, Dämmstoffen und Abgasführungen gebaut, um in einer umfangreichen Versuchsreihe das für uns in unterschiedlichen Last- und Drehzahlbereichen am stimmigsten wirkende Klangbild zu realisieren. So kam der Wagen letztendlich auch zu seinem Namen "Krawallspüle".

 

Schalthebelsack mit Stahlrahmen
Der im Original verbaute Kunststoffrahmen am Schalthebelsack hat den Nachteil, daß die ohnehin schon knapp bemessene Aussparung in der Mittelkonsole noch um weitere wertvolle Millimeter verkleinert wird. Die führt zum einen im Bereich des Rückwärtsganges häufig zur Überbeanspruchung des Leders und schließlich dessen Durchtrennung. Das zweite und viel gravierendere Problem entsteht an der Schaltgabel des 5. Ganges! Da der Schalthebel bei eingelegtem 5. Gang nicht frei liegt, sondern immer leicht nach innen gezogen wird, schleift die Schaltgabel permanent and der Außenseite der Nut in der Schaltmuffe zum Gangrad 5.



Soundsystem

Das Soundsystem wurde mit relativ geringem Aufwand um einige Klassen verbessert. Die hinteren Lautsprecher wurden durch leistungsstärkere Oval-Lautsprecher aus dem Hause BLAUPUNKT ersetzt. Bei den Vorderen kamen wir nach mehreren Versuchen letztendlich wieder auf die originalen “CRANE” zurück und sind bis heute mit deren Klangvolumen absolut zufrieden. Im Ablagefach hinter dem Fahrersitz wurde in einem nachgefertigten Deckel ein Subwoofer integriert. Die in die Ablage eingelassene Endstufe ist nach rein optischen Gesichtspunkten ausgewählt worden und kann ihre Leistungsfähigkeit nur zu einem kleinen Bruchteil ausspielen. Durch den kraftvollen Bass unmittelbar hinter der Lendenwirbelsäule in Verbindung mit den dünneren Sportsitzen ist Musik in diesem Delorean immer ein besonderes intensives Erlebnis. 

 

soundsystem1  soundsystem2

 

Sportsitze
Die Bestuhlung bei 01178 war in einem aussergewöhnlich gutem Originalzustand und ist als serienmäßig vergleichsweise komfortabel einzustufen. Da es uns bei schnell gefahrenen Kurven- und Serpentinenpassagen am nötigen Seitenhalt fehlte, kamen schmale und in der Höhe der Sitzfläche vom Sattler deutlich modifizierte Sportschalensitze mit verstellbarem Neigungswinkel der Lehne zum Einsatz.



LPG / Flüssiggasanlage

Das bi-fuel Delorean Projekt ist aus diversen Diskussionen um die Durchführbarkeit dieser Umbaumaßnahme entstanden und war ursprünglich als reine Machbarkeitsstudie angelegt. Nach Umsetzung der Idee in der ersten Version kamen einige neue Erkenntnisse auf und wir haben uns entschlossen das Projekt nun mit TÜV-Segen und allem was dazugehört auf die Straße zu bringen. Nachdem wir in einem anderen Projekt aus dem Bereich der alternativen Antriebe bereits eine geprüfte Tankhaltevorrichtung für den Einsatz im Delorean hatten, fehlte neben ein paar EU-geprüften Einzelkomponenten nur noch ein Abgasgutachten, das uns dann vom TÜV Automotive erstellt wurde und der Umbauabnahme stand nichts mehr im Weg. Seit Oktober 2008 läuft der Wagen nun im Gasbetrieb und seit Sommer 2009 auch mit offiziellem TÜV-Segen im Rahmen einer Einzelabnahme. Bei der Flüssiggas Anlage handelt es sich um ein Venturi-System mit Vorwärmung über das Kühlmittel des Motors und als Gasspeicher ist ein 80 Liter Tank unter eines Abdeckung hinter den Sitzen verbaut. Die Befüllung erfolgt über einen hinter dem Luftgitter an der linken B-Säule verdeckt angebrachten Einfüllstutzen. Der Verbrauch liegt etwa 10 bis 15% über dem Verbrauch mit bleifreiem Kraftstoff.

 

Flüssiggasanlage

 


 

Ab 2011 diente der Wagen in Vorbereitung auf die Delorean World Tour für umfangreiche Tests und Versuche zur Sicherstellung der Dauerhaltbarkeit diverser Spezialumbauten. Von Langstreckenfahrten auf deutschen und französischen Autobahnen über Schlechtwegtouren in Osteuropa, High Speed Versuchen auf einem BOSCH Testgelände bis hin zum härteren Geländeeinsatz in einem Panzerübungsgelände blieb 01178 wirklich nichts erspart. Doch nur so konnten umfangreiche Erkenntnisse und unschätzbare Erfahrungen zu weiteren Konstruktion und Verbesserung der Weltreiseumbauten und auch der originalen Strukturen gewonnen werden.