E10, Fluch oder Segen?

Der Gesetzgeber schreibt seit 01.01.2011 vor:  "10 % erneuerbare Energie für den Verkehrssektor bis 2020".  Daraus resultierend ergibt sich erst einmal bei einfachstem Rechenweg der Bioethanolanteil von 10% für Benzin. Der genannte Leitsatz ist auch gleich die Erklärung dafür, das es weiterhin Kraftstoff mit einem geringeren Anteil wie 10% geben wird, da ein 10% Gesamtziel erst BIS 2020 zu erreichen ist. Kraftstoffe mit geringerem Bioethanolanteil sind wie bei Preisfindungen der Mineralölindustrie üblich entgegen der gegebenen Logik teurer und werden sich in Zukunft mit Sicherheit preislich noch deutlicher von "E"-Sprit abheben. Grundsätzlich sollte bis mindestens 2013 noch "E5" Kraftstoff an den Zapfsäulen angeboten werden und auch bis ins Jahr 2016 hat sich bis auf den kompletten Wegfall von normal bleifrei, grundsätzlich nichts geändert am Angebot der deutschen Tankstellen.

 

Die Hersteller:

PEUGEOT  als Mitentwickler des Deloreantriebwerks schreibt: Alle Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar 2000 hergestellt wurden, sind E10-verträglich.  Zu älteren Motoren gibt es seitens Peugeot bis dato keine Aussage.

RENAULT  als Motorenhersteller gibt grundsätzlich "E10"-Kraftstoff zur Anwendung für alle Motoren ab einem Baudatum vom 01.01.1997 frei. Zu älteren Motoren gibt es seitens Renault bis dato keine Aussage.

VOLVO  als weiterer Mitentwickler des Deloreantriebwerks schreibt: Alle Fahrzeugmodelle mit OTTO-Motor, die seit 1976 eingeführt wurden, können mit E10 Kraftstoff betrieben werden, sofern die Wartungsvorschriften eingehalten wurden.

BOSCH als Kraftstoffkomponentenhersteller kann keine Aussage über die Verträglichkeit in Fahrzeugen treffen, da das Kraftstoffsystem im Gesamten zu betrachten ist und BOSCH keinen Einfluß auf weitere Komponenten wie Tank, Leitungen und Montageteile hat.

 

Segen:

Bioethanol wird ausschließlich aus Biomasse wie Pflanzen oder biologisch abbaubaren Anteilen von Abfällen hergestellt und reduziert somit theoretisch den Ausstoß an CO2. Die Anwendung von Bioethanol soll die Abhängigkeit von den Mineralölkonzernen mindern, was jedoch aufgrund der vorgegebenen Absatzwege ausschließlich über die  Vertriebsnetze der Ölmultis als unrealistisch anzusehen ist.

 

Fluch:

Der Einsatz von Bioethanol kann zu unerwünschten Risiken und Nebenwirkungen führen, die wir hier einmal von der rein technischen Seite darstellen und relativieren wollen:

"Bioethanol ist hygroskopisch"

Bioethanol neigt in großem Maße dazu Wasser / H2O aus der Umgebung aufzunehmen. Ein erhöhter Wasseranteil im Kraftstoffsystem kann sowohl Korrossion an Leitungen und Einzelkomponenten, als auch eine erhöhte Verbrennungstemperatur zur Folge haben. Der hygroskopische Effekt wird im automobilen Bereich schon seit Jahren positiv genutzt: Scheibenreinigungskonzentrat enthält meisst etwa 25%-40% Ethanol und vermischt sich somit schnell und gleichmäßig mit Wasser.

"Bioethanol ist ein Naturstoff"

Somit unterliegt er einem Alterungsprozeß, der zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann. Ausserdem bedeutet die Verwendung nachwachsender Rohstoffe auch eine nahrungsmittelferne Nutzung von Anbauflächen, was in manchen Regionen unseres Planenten eine Erhöhung der Grundnahrungsmittelpreise und somit Hunger nach sich zieht.

"Bioethanoldämpfe zerstören Kunststoffe"

Bioethanol und dessen Dämpfe haben auf Naturgummi und Polymerverbingungen mit Naturgummianteil eine zerstörerische Wirkung. Dieser Effekt ist bei Deloreans mit Bioethanolverwendung und langer Standzeit primär an der Haltemanschette für die Kraftstoffpumpe erkennbar. Diese löst sich auf und der gelöste Gummi kann Schäden an Kraftstoffpumpe, Druckspeicher, Mengenteiler und Einspritzdüsen hervorrufen.

"Mehrverbrauch bei Bioethanolbeimischung"

Prof. Dr. Bernhard Geringer von der technischen Universität Wien hat im Auftrag des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft ein Forschungsprojekt zu diesem Thema durchgeführt und kommt zu einem Mehrverbrauch von nicht mehr wie 1,9% gegenüber dem bereits handelsüblichen E5 Kraftstoff. Es ist festzustellen, das Bioethanol im Vergleich zu Benzin einen geringeren Wirkungsgrad aufweist und somit mehr Volumen zu verbrennen ist um eine identische Energieumsetzung zu erreichen.

"verkürzter Ölwechselintervall bei Anwendung von E10"

Die Ölwechselintervalle wurden in den vergangenen Jahren im PKW-Bereich bei einigen Herstellern auf 30 - 50000 Kilometer erhöht. Diese Entwicklung ist trotz Anwendung von hochentwickelten Schmierstoffen grundsätzlich als kritisch anzusehen. Der Automobilhersteller ist an langen Intervallen interessiert um die Wartungskosten im Vergleich mit anderen Herstellern so gering wie möglich erscheinen zu lassen. Die Wartungshäufigkeit ist z.B. bei Fuhrparkleitern ein klares Entscheidungskriterium für- oder gegen ein Fahrzeugmodell. Nach meisst 100000km ist dem Hersteller das Schicksal des Triebwerks jedoch aufgrund Ablauf der Herstellergarantie gleichgültig.

Grundsätzlich gilt, das der Einsatz von E10 in Verbindung mit technisch geeignetem und qualitativ hochwertigem Motorenöl (Primärraffinat) und jährlich durchgeführtem Ölwechsel kein erhöhtes Risiko darstellt. Bei Fahrzeugen die vorwiegend im Kurzstreckenverkehr eingesetzt werden und somit nur unregelmäßig komplette Warmlaufphasen erleben, wird von Technikerseite grundsätzlich ein verkürzter Ölwechselintervall empfohlen.

 


 

Sehenswertes aus der Praxis: 

 

Gummimanschette eines Delorean mit einer Standzeit von 1985 bis 2011 bei etwa 1/2 gefülltem Tank. Der Kraftstoff ist somit aus dem Jahre 1985 und ohne Bioethanolanteil. Es sind ausschließlich kondenswasserbedingte Korrossionsspuren an den Metallteilen erkennbar. Die Manschette ist gänzlich unversehrt.

 

Gummimanschette eines Delorean mit einer Standzeit von 2005 bis 2011 bei etwa 3/4 gefülltem Tank. Das Fahrzeug wurde in 2004 letztmals in der BRD betankt und somit wohl mit einem Bioethanolanteil von 5%. Hier ist die beginnende Zerstörung der Manschette und eine gleichmäßige Korrossion am Metallträger deutlich erkennbar.

 

Gummimanschette aus einem importierten Fahrzeug, das von 2007 bis 2010 im mittleren Westen der USA mit 1/2 gefülltem Tank stand. Das Fahrzeug wurde letztmals 2007 in Californien betankt und somit wohl mit einem Bioethanolanteil von mindestens 10%.

Hier ist die Zerstörung der Manschette am weitesten fortgeschritten und die gelösten Polymerverbindungen verklebten, blockierten und zerstörten somit die Kraftstoffpumpe. Weitere Schäden,  ausser die Verunreinigungen im Tank,  waren am gesamten Kraftstoffsystem nicht erkennbar, der Motor startete nach Reinigung und Ersatz der jeweils betroffenen Bauteile ohne weitere Beanstandungen. Auch der Druckspeicher mit seiner Membrane hat augenscheinlich keinen Schaden genommen und verrichtet seinen Dienst zuverlässig. Dichtungen in und an Mengenteiler und Warmlaufregler sind allsamt dicht und funktionsfähig. Das lässt für uns den Schluß zu, das die BOSCH-Komponenten auch bei langfristiger Belastung mit E10 keine Ausfallerscheinungen zeigen.

Der vorgenannten Erkenntnisse und Erfahrungen können nicht die grundsätzliche Unbedenklichkeit garantieren, relativiert jedoch die Risiken und wirkt unqualifizierten Angstmachern entgegen.

 

Randnotiz:

In den USA wird schon seit Jahren E10 und E85 angeboten. In Brasilien wird neben reinem Ethanol (E100) noch Benzín mit erntebedingt saisonal  variablem Anteil zwischen 20% und 25% angeboten. Bei Zumengungen bis zu 30% sind grundsätzlich keine Umbaumaßnahmen an Einspritzung und Zündanlage zur Sicherstellung von Motorlauf- und Emissionsverhalten erforderlich.

 


 

FAZIT:

Ein Delorean wird durch Einsatz des neuen E10-Kraftstoffs nicht umgehend sterben. Wenn der Wagen regelmäßig bewegt wird und somit regelmäßig frischer Sprit eingefüllt wird, besteht grundsätzlich kein Risiko. Vor längeren Standzeiten, wie wir es meisst über den Winter haben, wird jedoch geraten die vorangehenden Füllungen mit so wenig Bioethanol wie möglich durchzuführen und den Tank unmittelbar vor Einlagerung randvoll zu befüllen. Dies wirkt Kondenswasserbildung und dem Entstehen von agressiven Dämpfen entgegen. Wir empfehlen bei regelmäßiger Nutzung von E5 oder E10 Kraftstoffen grundsätzlich mindestens einmal jährlich ein hochwertiges wasserbindendes Kraftstoffadditiv (z.B. EUROSOL BENZIN-System) einzufüllen um die Gefahr von Korrossionsschäden im Kraftstoffsystem zu minimieren.

Es werden auch in Deutschland nach wie vor Otto-Kraftstoffe ohne Bioethanol Anteil angeboten. Aral und BP vertreiben diese Kraftstoffe unter der Bezeichnung Ultimate 102 und Shell als V-Power.

Als Resumee ist nach Betrachtung und Abwägung sämtlicher uns zugänglicher Informationen zu erkennen, das der neue Kraftstoff keine nennenswerten Risiken für den Fahrbetrieb eines Delorean mit sich bringt, "E10" jedoch in der Gesamtbilanz sowohl ökologisch wie auch ökonomisch keinen Sinn ergibt.

 


 

Erklärung zum Begriff "Oktan"

Die Oktanzahl definiert die Klopffestigkeit von Kraftstoffen für Ottomotoren in der Einheit "ROZ" (Research Oktan Zahl)

Normalbenzin: ROZ91 (grundsätzlich ausreichend und konstruktive Grundlage für unsere Delorean Motoren)

Superbenzin: ROZ95

SuperPlus: ROZ98

V-Power (Shell) oder Ultimate 102 (Aral) : ROZ100 bzw. ROZ102

 

Frage: "Ist die Verwendung eines Kraftstoffs mit höherer Oktanzahl schädlich?"

Antwort: Technisch gesehen nein. Grundsätzlich stellt ein Kraftstoff mit höherer Oktanzahl Reserven bei der Klopffestigkeit zur Verfügung die der Motor im Delorean bauartbedingt wegen seiner Verdichtung und dem serienmäßigen Zündverzug nicht benötigt. Wirtschaftlich betrachtet entsteht ein Schaden nur im Geldbeutel.

 


 

Rückblicke mit Fragezeichenpotential:

...

Hier waren bis August 2012 durchaus interessante und auch äusserst widersprüchliche Berichterstattungen der vergangenen 4 jahre zu dem Thema zu lesen. Mir wurde im Auftrag der dpa Deutsche Presse Agentur Gmbh durch eine große Hamburger Anwaltskanzlei die Veröffentlichung dieser Zitate und jede Form von Ausschnitten und Berichten schriftlich mit der Begründung der Urheberrechtsverletzung und einer anhängenden Schadensersatzforderung untersagt.

Somit  bitte ich den Leser dieser Zeilen weiterhin für alles offen zu sein, zu hinterfragen und nicht alles was durch den Filter der "freien" Presse und ihre Agenturen gewandert ist als absolute Wahrheit hinzunehmen.