25.06.2018 Montag, Riga (LV)

Am Morgen im Hotel und noch vor dem Frühstück erlebten wir dann gleich ein wenig „Ostblock“ -Denke. Es ging um die Aus- und spätere  Wiedereinfahrt auf den Parkplatz und der damit entstandenen Fragen nach den Modalitäten zur Parkraumnutzung.

Dame am Empfang: „Die Zugangskarten sind alle“ Wir: „und wie kommen wir jetzt vom Platz?“

Dame: „Die Karten sind alle, wir haben keine Karten mehr.“ Wir „und jetzt“

Dame: „Die Karten sind alle, wir haben keine mehr und bekommen auch so schnell keine“ Wir: „und jetzt?“

Dame: „Na das weiß ich auch nicht.“ Wir: „soso…“

Andere Dame: „aber wir haben Ausfahrchips“ Wir: „Klasse! Her damit!“

Dame gibt uns die Chips. „Mit dem können sie heute aus dem Parkplatz fahren.“

Problem gelöst. Gefrühstückt, Morgentoilette beendet, eine Horde Delorean und anderer Hotelgäste stehen vor der Ausfahrtschranke um den Parkplatz zu verlassen. Chip in den Automat gesteckt, Chip kommt wieder raus. Nochmal? nochmal. Die Schlange hinter dem ersten Wagen wird nicht kürzer, die Geduld der anderen Hotelbewohner auch nicht und die Schranke bewegt sich nicht. Anrufknopf an der Schranke gedrückt: Männerstimme, fremde Sprache. INTS! Ints auch gleich zur Stelle, spricht zu der fremden Stimme, die jedoch nichts mit dem Hotel zu tun hat und auch die Schranke nicht bewegen kann. „Der Chip ist ungültig“ übersetzt Ints, nun auch schon leicht entnervt ob der Situation an der Schranke. Also alle wieder rückwärts aus der Warteschlange, Autos wieder geparkt und zurück zum Empfang. Ints stellt, mit sichtlich rot geschwollenem Kamm, die Damen am Empfang zur Rede und erntet nur ein gelangweiltes Achselzucken. „Der Chip funktioniert nur für 15 Minuten“. Eine Information, deren Überbringung bei Übergabe der Chips sicher hilfreich gewesen wäre. Dame drei kommt nun hinzu: „warum haben die keine Zugangskarten? Dame zwei: „Die sind alle“ Dame eins: „Ja, alles wie früher“ Dame drei: „dann nehmen wir eben die Chips“ …an dieser Stelle haben sich Autor, Ints und auch der Rest der Deloreantruppe zurückgezogen und den Ort des Geschehens verlassen um wohl sonst bald eintretendes Blutvergießen zu verhindern, oder dem wenigstens nicht beiwohnen zu müssen.

Zurück zur Tagesordnung: Erster Punkt auf der heutigen Tagesordnung war das RIGAS MOTORMUZEJS, das Automuseum von Riga. Der supermoderne Bau, dessen Eingang der Grundform eines klassischen Kühlergrills nachempfunden ist, wirkt etwas befremdlich in diesem Teil der Stadt, in dem sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite Plattenbau an Plattenbau reiht, alle in gleichermaßen verwahrlosten Zustand, die Fassaden mit schwarz grauem Schimmel überzogen,  einst als Kinderschaukeln gedachte Metallgestelle verrostet und eingewuchert, kein schöner Platz zum Leben.

Für unsere krasse Truppe wurden im unteren Innenhof der Museumsanlage Parkflächen bereitgehalten und die Kameraden vom Classic Car Club Riga, bei dem auch Ints als langjähriges Mitglied offensichtlich eine gewisse Anerkennung genoss, hießen uns freundlich willkommen. Fotos hier, Händeschütteln da, und dann wurde auch schon zum nächsten Tagesordnungspunkt gebeten. Die Fahrt ging nur um ein paar Ecken zur nahegelegenen und historischen Rennstrecke BIKERNIEKU TRASE , wo wir unter fachkundiger und fast akzentfrei deutschsprachiger Leitung den Ring für eine gute Stunde zu unserer freien Verfügung hatten. Diese Rennstreckennutzung wurde uns als „Eine kleine Aufmerksamkeit der Clubleitung“ gedeutet und wir nahmen es gelassen und dankbar hin. Also raus auf die Strecke und Freude am Fahren!  Der ein oder andere Deloreaner hat hier die Reifen, oder auch Kupplung und Bremse ordentlich rauchen lassen und als alle satt vom Schnellfahren waren, ging es über ein paar schnell geöffnete Tore wieder zurück auf das direkt angrenzende Museumsgelände, wo unsere Parkflächen weiterhin freigehalten waren.

Nun aber ab in das Museum! Und dieser Bau kann sich wahrlich sehen lassen. Exponate aus aller Welt, doch alles auch  immer wieder voller Stolz mit Produkten aus Lettland gespickt.  Marken und Fahrzeuge der Lettischen Automobilindustrie erzeugen bei uns durchschnittlichen Mitteleuropäern keine Bilder im Kopf, doch hat auch dieses Land seine ganz eigene, wenn uns auch völlig unbekannte, Mobilitätsgeschichte. Diese wird hier, von 2-Rädern über Ford Lizenzbauten und schicken Kombilimousinen im VW Bus Stil, bis hin zu einem aktuellen Dakar Rallyefahrzeug made in Riga, eindrucksvoll dargestellt. Dazu bleibt jedoch auch ausreichend Raum, den Rest der Welt in Szene zu setzen und neben original Fahrzeugen aus Stalins Fuhrpark finden sich auch eine 1:1 Replik des Benz Patentwagens oder auch ein Auto Union Rennfahrzeug aus den 30ern mit großer Renngeschichte, VW Käfer, Austin Mini, Dixi, Topolino, Admiral und so weiter und auch Ford. Viele Bereiche sind mit aufwendigen Techniken multimedial gestaltet und so kann man sich ein einer offenen ZIS Limousine wie ein sowjetischer Generalsekretär im Bild verewigen, oder im Untergeschoß eine weiße Kombilimousine über geschickt angeordnete Projektoren in Farben tauchen und auch durch virtuelle Landschaften rollen lassen. Okay, Letzteres war wohl für die Kids gedacht, doch hatten wir auch alle unseren Spaß damit! Nach etwa 3 Stunden ging unsere geführte Tour durch das RIGAS MOTORMUZEJS zu Ende.

Für den Abend bot sich wieder ein Lokal in der Altstadt an uns lecker zu bewirten und auch dieser Tag fand so seinen würdigen und fröhlichen Abschluss in geselliger Runde.

 

 

 

 

 

 

Die 3 vom World Tour Team in einer Parade-Rolle!

 

 

 

 

Kreative Schraubereien retteten diesen BMW 326 über die Jahrzehnte, nicht jedoch ohne deutliche sowjetische Formen und Techniken anzunehmen.

 

 

 

Material aus dem Automobilbau zum anfassen und auchh uropäische Kleinwagen früherer Jahre bereichern die Museumssammlung.

Herr Stalins Abbild in der wohl einzigen original erhaltenen gepanzerten Staatslimousine aus der Zeit.

Laut Überlieferung fiel dieser Silver Shadow im Jahre 1980 einem wodkabedingten erhöhten Blutalkohol eines Herren Leonid Breschnew zum Opfer.

 

 

 

 

 TAG 11